Hexenverbrennung

 
Hexenverbrennung in Poll

In einem traurigen Kapitel mittelalterlichen Geschichte, die den Hexenprozessen, wird Poll häufig genannt. Die "Hexe" Anna Zander aus Müddersheim z.B. sagte am 20.08.1630 bei der "peinlichen Befragung" (sprich Folter) aus, daß sie "oftmals auf dem Hexentanzplatz am Poller Örtchen mit dem Teufel und anderen Hexen gewesen sei. Dort habe sie den Beelzebub durch Fußfall begrüßt und ihm das Gesäß geküßt, darauf mit ihrem Buhl hinterrücks getanzt und mit ihm gebuhlet."
Laut Volksmund wurden die Hexen neben der alten Scheune nördlich von Poll Richtung Nörvenich auf dem Weg nach Eggersheim verbrannt. Die Scheune existiert heute nicht mehr. Die Älteren des Dorfes können sich aber noch gut an die Scheune erinnern.
Mich erreichte eine Email von Herrn Hans Dieter Pütz der HGV-Nörvenich, mit neuen Hinweisen zur dunklen Geschichte der Hexenverbrennung aber auch die Folterung und Verbrennungen von Wehrwölfen. Mein Dank für diese neuen Informationen.

In Gladbach haben im Jahr 1630 die Hexenfeuer gebrannt. Damals gab u. a. Trein Müller in der peinlichen Befragung, sprich Folter, zu, mit anderen Gladbachern auf dem Hexentanzplatz beim „Poller Örtchen“ gewesen zu sein, mit dem Teufel gebuhlt, Menschen und Tieren mit satanischer Hilfe Schaden zugefügt zu haben. Unter dem Vorsitz des Herrn von Palant zu Gladbach verurteilte das Gericht sie zu „wohlverdienter Strafe und anderen zum Exempel mit dem Strang vom Leben zum Tode hinzurichten und den Körper zu Asche zu verbrennen, wie wir sie dann hiermit dazu verweisen und verdammen“. Das Urteil wurde am 3. Dezember 1630 vollstreckt. Am darauffolgenden Tag begann das peinliche Verhör ihrer Tochter, auch sie ereilte das Schicksal ihrer Mutter.
In Müddersheim wurden alleine in den Jahren 1630 und 1631 acht Männer als Wehrwölfe und sechs Weiber als Hexen nach vorhergegangener Folter und kurzem Prozess hingerichtet und ihre Leiber verbrannt. Der Urteilsspruch lautet nach Original Prozess Akten bei Allen wie folgt: „In Inquisitionssachen inhaftierten (Name) wird durch uns Schultheis und Schöffen des Gerichts und Herrlichkeit Müddersheim mit Zuziehung Rath und Consultation eines unparteiischen Rechtsgelehrten zu Recht erkannt, dass uff vorkommende Inditia, darauf geschehenen peinlichen Frage und erfolgte Urzicht und Bekenntnis auch empfundenen Wahr und Beschaffenheit derselbe (Name), weil Gott dem Allmächtigen, unseren einzigen Erlöser und Seeligmacher Jesu Christo und seine Heiligen ab und dem Teufel zugesagt und auch mit demselben Unzucht getrieben, den teuflischen Zusammenkömmsten beigewohnt, das hochheilige Sakrament des Altars neben ihren Mitgespielen mit Füssen getreten, darauf getanzt, gesprungen und also zum höchsten verunehrt, Bestien ertödtet und schändliches Wetter helfen machen, mit dem Stricke vom Leben zum Tode sich zur wohlverdienten Strafe und uns Anderen zum abscheulichen Beispiel zu richten und den Leib zu Esche und Pulver zu verbrennen sie, wie wir Schultheis und Schöffen denselbst (Name) hiermit verweisen und verdammen. Publicirt und exequirt 1630 etc.“
Weiterhin ist in den Akten des Geyr`schen Archivs zu lesen:
Am 22 August 1630, vormittags 11 Uhr, wurde der Urteilsspruch gegen die „Hexe“ Anna Zander aus Müddersheim verkündet, nach dem „die Hexe mit dem Strick zum Tode, sich selbst zur wohlverdienten Strafe und anderen zu abscheulichen Exempel zu richten und der Leib zu Aschen und Pulver zu verbrennen sei, wie wir Schultheiß und Schöffen dann diese Annen verweisen und verdammen.“ In der „Peinlichen Befragung“ hatte die Angeklagte ausgesagt, dass der Teufel sie, nachdem sie mit ihm Unzucht getrieben, an das Müddersheimer Heiligenhäuschen geführt habe und sie dreimal mit dem Rücken daran gestoßen, wobei sie Gott und allen Heiligen ab- und dem Teufel zugeschworen habe. Der Teufel, er heiße Federbusch und habe Füße wie eine Geiß, habe sie sodann mit seinen Klauen an der Stirn, im Rücken und an der Brust gekratzt und oftmals mit ihr gebuhlt. Mit „Änntgen und Alef von den Gassen“ hatte sie vor 5 Jahren zwischen Dirlau und Mersheim ein Wetter machen geholfen. In der Gestalt einer Krähe sei sie durch die Luft geflogen und habe mit ihren Armen die Wolken über Mersheim und den Heckhof gezogen. Als sie davon müde geworden, haben sie die Wolken über Mersheim „geplätschert“, so dass „die Haber“ dort ganz verdorben sei.
Am 21. Februar 1744 fanden die letzten 3 Hinrichtungen statt. Es waren drei Männer, welche am 5. Februar 1744 zu Müddersheim wegen Diebstahl verhaftet wurden. Nachdem sie ins peinliche Verhör genommen und auf der Folter bekannt hatten, wurden sie durch den Strang an dem im Jahre 1733 neu errichteten Galgen vom Leben zum Tode befördert. „Der Scharfrichter erhielt für das Torquiren und nachherige Einrichten der Glieder sowie für hinterlassene Schmier 85 Mark.“
Quelle:
Vettweiß Dörfer und Landschaften KH Türk 1985
Zentrale Landesbibliothek Berlin Digitalsammlung Müddersheim
Christliche Kleindenkmale in Börde und Neffeltal KH Türk 1979 s. 148