Poller Historie

Poller Historie

Poll ist ein Dorf in der Gemeinde Nörvenich im Kreis Düren (NRW, Deutschland).

Poll wird erstmalig urkundlich erwähnt am 30. November 1147. Erzbischof Arnold I. von Köln bestätigt in einer Urkunde die Besitzungen in Poll.

Das Rheinische Wörterbuch deutet den Ortsnamen Poll als „erhöhten, mit Gras bewachsenen Teil einer Ebene, besonders, wenn er von Wasser umflossen ist“. Das Deutsche Namenbuch erinnert an das mundartliche „pol“, das hier von „Pfuhl“, Sumpf oder Teich abgeleitet wird. Auch die Rheinischen Flurnamen erklären den Namen mit „kleine Erhöhung in sonst ebenem Gelände“ und ein „durch Trockenlegung entstandenes Weideland“. Die wissenschaftlichen Erklärungen verbinden die Deutung des Namens also mit der Erhöhung aus der Ebene, mit Wasser und mit Gras oder Weideland. Es ist heute nicht mehr vorstellbar, wie das Gelände vor Jahrhunderten, als der Ortsname enstanden ist, ausgesehen hat. Eine leichte Erhöhung in der weiten Ebene ist jedenfalls nicht mehr feststellbar. Bis vor nicht allzu langer Zeit gab es im Dorf und am Ortsrand größere und kleinere Weiher, die fast alle durch die Grundwasserabsenkung der letzten Jahrzehnte verschwunden sind. Das waren der letzte Liese Graben, der Neresse Pool, die Tränke und der Schmitze Weiher. Diese Wasseransammlungen auf einer relativ kleinen Fläche bestätigen die Erkenntnisse der Wissenschaft.

In diesem fruchtbaren Landstrich waren in alter Zeit Ordens- und Adelshäuser reich begütert. Das Lagerbuch der Renten (der Abgaben an den Landesherren) des Amtes Nörvenich für die Jahre 1551 - 1556 führt dazu auf:

"Deß schenken hoiff von Frotzem zu poll beneben des Cloisterß hoiff von viußenich ...

Die Junfferen von vuißenich von ihrem hoiff zu poll beneben des schenken hoiff ...

Item allerheiligen hospital zu poll von dem hoiff daselbsr ...

thell broich vonn sinen hoiff zu poll an der Kirchen gut der dienstberger hoiff .."

Nach einem eben solchen Verzeichnis aus dem Jahre 1755 waren dem Landesherren damals aufgrund ihres Besitzes in Poll und im Nörvenicher Wald, Größe und Lage der Ländereien sind genau beschrieben, unter anderen abgabepflichtig:

"Herr von quadt zu buschfelt besitzt einen hoff zu Pooll ungefehr anhaltend 95 Morgen ...

Allerheiligen Hospital zu Cöllen gehörig im Dorff Pooll ungefehr 250 Morgen ...

Herr von Harff modo Sr. gräfl. Ex. (von seiner gräflichen Exelenz) Herr von Hillesheim von dem hoff zu pooll ungefehr 200 Morgen ...

sodann an büsch 50 Morgen bey Norvenich die hart genannt udn 13 Morgen im Norvenicher büschen ..."

Die Abtei Steinfeld hatte seit alter Zeit in Poll große Einkünfte an Zehnten. Das von dem Steinfelder Kellner Heinrich von Elsig, später Pastor in Hochkirchen von 1519 - 1551, geschriebene Lagerbuch aller Steinfelder Besitztümer aus den Jahren 1502 und 1503 erwähnt die der Abtei zustehenden Zehnten "im Poller Felde", führt sie aber nicht einzeln auf, wie das sonst üblich ist. Im Buch sind 20 Seiten frei gelassen. Der Schreiber wollte die Pflichtigen wohl nachtragen, hat das aber aus einem unbekannten Grund unterlassen. Das ist für die Erforschung der Poller Ortsgeschichte sehr bedauerlich, hätte man doch hier jeden damals in Poll lebenden Einwohner mit Namen, Lage und Größe seines zehntpflichtigen Grundbesitzes und der Menge der in Hochkirchen im Stadelhof (wohl Steinfelderhof) abzuliefernden Naturalien erfahren können.

Die Namen der Poller Einwohner, die in dem Nörvenicher Lagerbuch von 1755 aufgeführt sind, sollen hier in der damaligen Schreibweise noch nachgetragen werden:

Erben Petri voßen, Engel Esser, Baldewin Symons, Arnolt Bonnen, Jois Murh, Mathais Huberts, Wittib Revenich Erben, Gört Kallschewer, Anna babara Hommelsheim, Mattheis voßen, Henirch Funk, bernardus FUß, Joes Graf, Degen Mieslig, Joes Kroch, Petro bondenbruch, Nicolaus Trimbor, Joes Pütz, Wilhelm Küpper, Wilhem Wahl, Wittib Henrich brühlsen, Joist Winter, Wittib Nicolaus bungh, Petro vois, Franz gebhagen, Sybert Müller.

Bis vor wenigen Jahren war die Landwirtschaft in Poll, wie in allen Dörfern unserer Gegend, vorherrschend. Nach einer bei der Gemeinde Nörvenich geführten Statistik waren z. B. 1929 von 187 Einwohnern 43 Personen mit 111 Angehörigen selbständige Landwirte oder als abhängige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig. Eine Zusammenstellung aus dem Jahre 1910 berichtet, dass im Dor 30 Pferde, 161 Stück Rindvieh, 152 Schafe und 119 Schweine gehalten wurden.

Bis vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Poll 18 landwirtschaftliche Betriebe, davon sechs, die 50 - 80 ha bewirtschafteten, die übrigen hatten zwischen 10 und 50 ha unter dem Pflug. Im Ort arbeiteten damals noch zwei Schumacher, ein Stellmacher, ein Zimmermann, ein Schmied, dazu ein Lebensmittelgeschäft und eine Gastwirtschaft.

Heute gibt es noch vier Bauernhöfe, eine Großgärtnerei und eine Schreinerei. Ein Stellmacher ist für das Dorf schon 1492 nachweisbar. In dem oben erwähnten Register der Abtei Steinfled ist von dem "assenmecher zu Poll" die Rede, der 1 Sümmer (= 52,7290 Liter) Roggen und 1 Huhn abzuliefern hatte. Der Achsenmacher, mundartlich Äßer - daher kommt der Familienname Esser -, war unser heutiger Stellmacher, ein mittlerweile ausgestorbenes Handwerk.

Die bäuerliche Prägung des Dorfes ist heute noch ablesbar an den Altbauten mit Stallungen und Scheunen, am Ortsrand an den zahlreichen Feldscheunen, von denen viele ihre althergebrachte Funktion verloren haben. So ist denn durch Abbruch von Altbauten und die Errichtung von modernen Wohnhäusern in den siebziger Jahren des 20 Jahrhunderts eine gewissen "Verstädterung" feststellbar, die einem ehemaligen Bauerndorf nicht gut ansteht. Man muss bei dieser negativen Beurteilung allerdings zugestehen, dass man auch im kleinsten Dorf nicht mehr in einem feuchten Feldbrandziegel-Häuschen oder einem Fachwerkhaus mit kleinen, niedrigen Zimmern ohne jeden modernen Komfort wohnen will. Trotzdem ist es sehr bedauerlich, dass noch 1985 in der Karlstraße ein Bauernhof restlos abgebrochen wurde, der in seiner geschlossenen Fachwerkbauweise ein Musterbeispiel des frühen 19. Jahrhunderts war.

Bis in die Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts war der Ort nur über ausgefahrene Wirtschaftswege über den kaum als Straße ansprechbaren Gladbach - Poll - Dorweiler - Pingsheim erreichbar. Über diese, heute als Kreisstraße 53 gut ausgebaute Straße, ist das Dorf seit 1956 durch Busse mit der Kreisstadt Düren verbunden. Erst seit 1970 besteht durch eine großzügig angelegte Straße eine Verbindung zum Pfarrort Hochkirchen und zum Sitz der Gemeindeverwaltung und den Schulen und Kindergärten in Nörvenich.

Wesentlich günstiger war die Versorgung mit Wasser und Strom für das Dorf. Schon seit dem Jahre 1917 gibt es eine öffentliche Wasserversorgung, nachdem man erst 1875 in der Ortsmitte eine einzige Wasserpumpe aufgestellt hatte. Die Bewohner bezogen vorher das Wasser aus privaten Ziehbrunnen. Durch die Anlegung der Wasserleitung verloren die Brandweiher ihre jahrhundertalte Funktion. Der größte dieser Weiher lag am "Eggersheimer Weg", heute Weiherstraße. Es war der "Liese Graben", der von der Dorfjugend im Sommer zum Schwimmen und im Winter zum "Bahnschlagen" benutzt wurde. In der Nordstraße, gegenüber dem Hof Esser, Haus Nr. 2, lag ein zweiter Weiher mit Löschwasser. Im Süden war die sogenannte "Tränke", ein Brandweiher, der auch als Viehtränke benutzt wurde, heute der Standort des Hauses Erper Straße 20. Im Jahre 1953 musste der "Neresse Pool", der kleinste Weiher, am Ortsausgang Richtung Dorweiler neben dem Hause Dorfstrße 12, dem Straßenbau weichen. Damals wurde auch hier das alte Spritzenhaus abgebrochen. Schließlich gab es noch einen Brandweiher, den "Schmitze Weiher", auf dem Grundstück des Heuserhofes, Erper Straße 8.

Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918, hatten in Poll die Kerzen und die Petroleumlampen ausgedient. Das Dorf erhielt elektrischen Strom. Für die damalige Zeit war das die Errungenschaft, aber sicher haben seiner Zeit konservative und sparsame Bürger ihre alten Wasserbrunnen und Petroleumlampen noch jahrelang weiter benutzt.

Quelle: Karl Heinz Türk 2003